Von Mammuts im Porzellanladen
Die Macht der Worte oder die Sache mit der unbewussten Kommunikation

Kennt ihr die Geschichte vom griesgrämigen Zaren, der von einem Gefangenen schriftlich um Gnade gebeten wird? Leider war er kein Held im Schreiben und kritzelte, weil er den Gefangenen weiterhin in Sibirien schlottern lassen wollte, auf das Papier: «Begnadige nicht nach Sibirien.» Sein Schreiber las dies und schmunzelte gerührt ob der plötzlichen Güte seines Herrn und setzte, der Vollständigkeit halber, das Komma an der vermeintlich richtigen Stelle. Nun stand also da: «Begnadige, nicht nach Sibirien.» Was für den Bittsteller hier gut geendet hat, kann aber auch gewaltig nach hinten losgehen. In der täglichen Kommunikation sollte man gut auf die Wortwahl und auch die Art und Weise achten, wie etwas geschrieben und gesprochen wird und auch daran denken, was ausgelöst werden kann, wenn etwas unbewusst oder unbedacht rausgehauen wird.

Wem das Beispiel mit dem längst verstorbenen Zaren zu weit hergeholt ist, ich hab hier ein aktuelleres «wunderbares» Beispiel dafür, wie es eben nicht laufen sollte. Unbewusste oder unbedachte Kommunikation at its worst, sozusagen. Es ist mir klar, dass man in den meisten Jobs unter enormem Druck steht und es auch nicht allen gleich leicht fällt, sich schriftlich gewählt auszudrücken. Dabei kann durch bewusstes Formulieren viel verhindert werden und man müsste beim Lesen gewisser Dinge nicht gleich von Armageddon oder der Apokalypse ausgehen. Es wäre definitiv gesünder, für alle Beteiligten. Aber erst mal der Reihe nach.

Im Frühjahr 2018, ich war da 37 Jahre alt, erhielt ich von meinem damaligen Frauenarzt ein Schreiben, dass bei meiner Jahreskontrolle eine Auffälligkeit festgestellt worden war und nun die Möglichkeit bestünde, dass ich an Krebs erkrankte. Aufgrund dieses Befundes habe er mir gleich ein Rezept für ein Antibiotikum beigelegt, das ich einnehmen und in 6 Monaten erneut zur Untersuchung kommen solle. Der Satz, der «Krebs» enthielt, sprang mir förmlich aus dem Schreiben entgegen und ich sah nur noch diese eine Wort. Krebs. Da schiessen einem doch gleich die schlimmsten Bilder durch den Kopf. Dieser Brief verunsicherte mich extrem, doch spürte ich klar: «Ich bin gesund.». Also habe ich das Antibiotikum nicht eingenommen, denn «Antibiose» bedeutet «gegen Leben», und das geht mir schon mal prinzipiell gegen den Strich. Nach einem halben Jahr ging ich nochmals zu diesem Arzt. Und, oh Überraschung, unterdessen hatte er selber bemerkt, dass sein Brief ein No-Go gewesen war, offenbar sind ihm deshalb Kundinnen abhanden gekommen. Vollends misstrauisch wurde ich dann, als er mir mitteilte, dass sein Vorgänger es bei ähnlichen Befunden wie meinem noch gar nicht für notwendig erachtet hatte, die Kundin zu informieren. Der zweite Befund war dann leider noch etwas «schlechter» als der erste. Nun ja.

Ich kürze hier mal ab und sage einfach, dass ich daraufhin eine Koryphäe auf dem Gebiet der Bioresonanz aufgesucht und mir im Anschluss auch eine neue Frauenärztin gesucht habe. Denn dieser Arzt konnte – oder wollte – mir nicht im Detail erklären, worin genau mein Risiko bestand. Ich habe nicht Medizin studiert, halte mich aber für so gebildet, dass ich imstande bin, einer ärztlichen Erklärung folgen zu können. So wie die meisten Menschen auch wollte ich natürlich wissen, was da in meinem Körper vor sich ging. Da sass ich also gute 1.5 Jahre später bei meiner neuen Ärztin. Als erstes nahm sie sich viel Zeit, mir zu erklären, was der andere Arzt festgestellt hatte. Sie teilte mir aber auch im gleichen Atemzug mit, dass ihres Erachtens mein Risiko, an Krebs zu erkranken, gering war – trotz der beiden Befunde. Und sie erläuterte mir auch gleich die entsprechende Behandlung – hätte ich sie denn gebraucht. Welche Erleichterung! Dadurch, dass ich vom anderen Arzt nicht aufgeklärt worden war, war ich immer davon ausgegangen, dass ich bei einer allfälligen Erkrankung meine Küche vollends hätte ausräumen lassen müssen. Für mich ein schrecklicher Gedanke!

Kurz darauf rief mich meine neue Ärztin an und informierte mich darüber, dass alle Testergebnisse tiptop ausgefallen seien und ich offiziell als absolut gesund gelte. Mit und dank der Natur hatte ich alles wieder ins Lot gebracht. Ausgelöst worden war die ganze Sache damals übrigens durch irritierte Schleimhäute im ganzen Körper, anlässlich des jährlichen Besuchs beim Frauenarzt war dies halt lediglich im Bereich meines Unterleibs festgestellt worden. Hätte ich jetzt nicht während der ganzen Zeit klar und richtig gespürt, dass es mir gut geht, dann… dann hätte dieser unglücklich formulierte Brief meines Ex-Arztes der Samen des Zweifels und der Angst sein können, der irgendwann zu keimen angefangen hätte. Ich hätte in eine gefährliche Abwärtsspirale geraten können, die zum Schluss womöglich tatsächlich zu einer Erkrankung hatte führen können. Hätte, wäre, könnte – hier stehen zum Glück ganz viele Konjunktive. Denn es ist ja alles anders gekommen.

Daher, bitte: Achtet auf eure Worte. Achtet darauf, was ihr schreibt/sagt und wie ihr etwas ausdrückt. Verwendet und setzt Worte ganz bewusst und lest dann durch, was ihr geschrieben habt, bevor ihr die Zeilen auf Reisen schickt. Überlegt euch, wie das Geschriebene auf euch wirken würde, wenn ihr so etwas in eurem Postfach oder in eurem Briefkasten finden würdet. Und, wenn es um eine echt wichtige Sache geht und ihr unsicher seid, dann fragt doch jemanden um dessen Meinung oder bittet eine vertrauenswürdige und im Schreiben kompetente Person, mit euch zusammen eine entsprechende Formulierung zu finden. Worte sollten bewusst gewählt und eingesetzt werden. Man kann übrigens gar nicht früh genug damit beginnen. Am liebsten schon sollten wir im Kindergarten damit anfangen, über die Kraft, die Macht und auch das Zerstörungspotential von Worten zu sprechen und sich dementsprechend zu verhalten. Und noch wichtiger: Tun wir dies auch zu Hause. Denn da sind Menschen, die wir lieben.

Bei meiner Arbeit mit Menschen achte ich sehr darauf, dass ich Dinge ganz bewusst, klar und ehrlich formuliere. Es nützt doch nichts und niemandem etwas, wenn ich zum Beispiel sage: «Nun, es ist solala.», wenn etwas schlicht und ergreifend einfach nur scheisse ist. Denn herrje, es ist doch völlig in Ordnung, wenn etwas mal halt total scheisse, doof, anstrengend, nervig oder sonst was ist. Solange dies nicht der Dauerzustand ist, versteht sich. So einfach ist das.

Denkste. Ist es eben nicht. Denn jeder Mensch empfindet anders, geht anders mit gewissen Themen um. Wir alle haben unterschiedliche Gesprächs- oder Streitkulturen in unserer Familie kennengelernt und verinnerlicht. Haue ich nun etwas ungefiltert raus, kann das die eine vollkommen kalt lassen, einem anderen aber komplett den Boden unter den Füssen wegziehen. Bei jedem Menschen muss ich beachten, wie ich etwas formulieren muss, damit er mir zuhört. Oft sind es nur kleine Nuancen, aber die machen’s aus. Diese eine Kundin versteht mich nur, wenn ich hochgestochen und sehr blumig umschreibe, was ich meine, eine andere mag es lieber, wenn ich fadengerade heraus sage, was Sache ist. Es sind Worte, die entscheiden, ob ich an meine Kunden herankomme, ob wir zusammen weiterkommen. Dies ist etwas, das viele unterschätzen. Es kommt nicht nur auf das Was an, sondern auch auf das Wie. «C’est le ton qui fait la musique», sagt man doch so schön.

Kürzlich habe ich mit einer Bekannten, die im selben Gebiet tätig ist wie ich, genau über diese Thematik gesprochen. Sie kennt meine Arbeit und mich. Sie sagte: «Du kommst mir manchmal vor wie ein Mammut im Porzellanladen. Aber auf Zehenspitzen und angefüllt mit Liebe und Wohlwollen». Der Hammer! Ich fand dieses Bild echt toll, denn es symbolisiert, dass ich, auch wenn ich schon viel über eine Person weiss, dies noch für mich behalten kann und nicht gleich mit meiner Erkenntnis rausplatze. «Auf Zehenspitzen und mit viel Herz», das heisst, ich möchte der Person langsam und vertrauensvoll näherkommen, damit sie sich in meiner Gesellschaft wohlfühlt. So können sensationelle Erfolge erzielt werden. Solche Erfolge freuen mich und meine Kunden gleichermassen. Sie, weil sie weiterkommen und mich, weil ich sie begleiten darf. Und dies geschieht unter anderem auch deswegen, weil ich Dinge ganz bewusst und bedacht formuliere.

Worte haben so viel Macht. Mit Worten kann man Menschen buchstäblich wachsen lassen, jedoch auch zerstören. Es gibt viele Experimente, die dies belegen. Man kann zum Beispiel zwei identische Blumen genau gleich oft giessen, dabei die eine mit Komplimenten verwöhnen und die andere mit fiesen Bemerkungen regelrecht runterputzen. Allein dadurch kann sich die Entwicklung der beiden Blumen extrem unterscheiden. Versucht es auch mal! Dann seht ihr die Wirkung eurer Worte mit eigenen Augen. Und jetzt überlegt doch mal: Wenn Blumen schon so sensibel auf Worte reagieren – wie sieht es denn erst bei uns Menschen aus?

P.S. Noch was. Dies ist eine persönliche Bitte an alle, die im Bildungswesen tätig sind. Bitte erst denken, dann reden. Wenn man einem Schüler unreflektiert «Du bist ein Depp!» an den Kopf wirft, so kann das eine erfolgversprechende Zukunft verbauen. Ein kleiner, abwertender Satz kann so viel Macht über einen haben, dass man gar nicht mehr an sich selber und seine Fähigkeiten glaubt. Deshalb: Herz und Hirn einschalten, dann erst den Mund öffnen.